Die Ratinger Dumeklemmersage

Die originale Sage von 1897 und die dazu passende Übersetzung

Gen Köllen, Rees und Xanten
En och nach Neerlanden,
Do hat de hil’ge Suitbert
De Heiden woll all bekiart.
Gen Ratingen kwam he ock fürbaß,
Well do noch ken Chrestendom was.
Doch wuat he nitt guet opgenommen.
Dat Volk het sech für Portz gestemmt,
On het em bluedig de Dumen geklemmt;
Et het em geschmieten Sten op et Hopt,
Dat he bedrüeft dovan es lopt.
He äwwer rief engremmichlich:
“Dat Volk es hartnäckiglich;
De Nam, de sall em bliewen,
Well et mech het verdriewen.
Quelle: Erste Veröffentlichung und schriftliche Wiedergabe aus dem Jahr 1897

Übersetzt werden kann dies ungefähr mit:

Gen Köln, Rees und Xanten
Und auch nach den Niederlanden,
Da hat der heilige Suitbert
Die Heiden wohl alle bekehrt.
Gen Ratingen kam er auch weiter,
Weil da noch kein Christentum war.
Doch wurde er nicht gut aufgenommen.
Das Volk hat sich gegen das Tor gestemmt,
Und hat ihm blutig den Daumen geklemmt;
Es hat ihm geworfen Steine auf das Haupt,
So daß er betrübt davon gelaufen ist.
Er aber rief ingrimmig:
“Das Volk ist hartnäckig;
Dieser Name, der soll ihm bleiben,
Weil es mich hat vertrieben.”
Quelle: Ratingen-Mitte.de

Was ist dran an der Ratinger Dumeklemmersage?

Die Dumeklemmersage ist, wie viele andere Sagen auch, wissenschaftlich nicht komplett zu bestätigten, hat aber durchaus einen wahren Kern. Der Heilige Suitbertus lebste beispielsweise bereits um 700 und somit viele Jahrhunderte bevor Ratingen im Jahr 1276 die Stadtrechte verliehen wurden. Erst in diesem Jahr bekam Ratingen ein Stadttor, in dem sie Suitbertus den Daumen hätten einklemmen können.

Den Beinamen Dumeklemmer für die Ratinger Bürger kommt aber dennoch nicht von Ungefähr: Ratingen war im Mittelalter ein Gerichtsort war und man fasste Missetäter nicht gerade mit Samthandschuhen an. Die Folter wurde schon früh angewandt und so wurde Ratingen zu jener Zeit weit über seine Grenzen hinaus bekannt – als Folterstatt bzw. Stadt der Daumenklemmer – Dumeklemmer eben.